Vortrag und Diskussion mit Friederike Habermann (BUKO)

In dieser Veranstaltung wird der Alltag der meisten Menschen in den reichen Ländern der Erde kritisch beleuchtet. Dieser Alltag baut vor allem auf dem Konsum industriell und warenförmig hergestellter Massenprodukte auf. Im Vortrag der Referentin Friederike Habermann von Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) und bei der anschließenden Diskussion wird folgendes angesprochen: Warum werden die riesigen und immer noch anwachsenden ökologischen Probleme auf unserem Planeten zwar öffentlich anerkannt, aber nicht grundsätzlich bekämpft? Warum wollen eigentlich alle „so weiter“ machen?
Diese Fragen stellen den Ausgangspunkt dar für den Begriff der „imperialen Lebensweise“. Die Stärke dieses kritischen sozialwissenschaftlichen Konzepts liegt darin, das Spannungsfeld zwischen größeren gesellschaftlichen Verhältnissen einerseits und dem Alltag der Menschen andererseits zu benennen und beides zugleich kritisch im Blick zu behalten.
Die Lebensweise der Menschen im „globalen Norden“ (ein geopolitischer Ausdruck, der vor allem die reichen kapitalistischen Länder in Europa und Nordamerika, sowie Australien und Japan meint) kann als „imperial“ bezeichnet werden. Denn diese Lebensweise setzt einen unbegrenzten und oft gewaltsamen (z.B. militärischen) Zugriff auf Ressourcen, Raum, Arbeitsvermögen in anderen Ländern und Kontinenten voraus. Dies war bereits Teil der Kolonialisierung ab dem 16. Jahrhundert und des liberal-kapitalistischen Weltsystems des 19. Jahrhunderts. Damals beschränkte sie sich jedoch auf eine reiche Minderheit der Menschen. Spätestens seit der Nachkriegszeit aber wurde sie Teil des Alltags der Bevölkerungsmehrheit im globalen Norden. Dieser Alltag ist seitdem geprägt von Automobilität, Eigenheim, Fleischkonsum und industriell gefertigten Produkten. Folgende weiterführende Fragen sollen besprochen werden: Inwiefern ist die imperiale Lebensweise rassistisch geprägt? – Schließlich ist sie mit Wirtschaftsbeziehungen verbunden, die noch aus der Kolonialzeit stammen. Und wie sehr verbirgt sich in ihr ein patriarchales Denken, wie es in jüngster Zeit Feministinnen in Lateinamerika diskutieren? Die Referentin befragt den Begriff der imperialen Lebensweise also auch auf seine Tauglichkeit, die Verbindung von verschiedenen Herrschaftsverhältnissen (Kapitalismus, das Geschlechterverhältnis, Rassismus etc.) zu erfassen.
Natürlich soll auch darüber nachgedacht werden wie wir der imperialen Lebensweise entkommen können. Dabei wird aufgezeigt, dass individuelle Ansätze wie Fahrradfahren und vegane Ernährung aus dem Supermarkt keine Lösung sind, denn die grundlegenden Produktions- und Konsummuster werden damit lediglich ökologisch modernisiert. Aber was dann?
Im Anschluss an diese Diskussion wird die Bundeskoordination Internationalismus (die BUKO) vorgestellt werden. Die BUKO ist ein Netzwerk von Einzelpersonen und Gruppen, die sich mit der globalen Nord-Süd-Politik, Kapitalismuskritik, Rassismus und Kolonialismus, Geschlechterverhältnissen, Ökologie und vielem mehr beschäftigen. Jedes Jahr veranstaltet dieses Netzwerk den Bundeskongress Internationalismus (der BUKO), der vom 29.05. bis 01.06. 2014 in Leipzig stattfinden wird. Eine Gruppe von aktiven Menschen aus Bielefeld möchte den Kongress besuchen und ruft alle Interessierten auf, mitzukommen!


 

Donnerstag 24.04.2014, 19 Uhr
Bürger_innenwache Siegfriedplatz Bielefeld (großer Saal unten links)

eine Veranstaltung der AG Freie Bildung an der Uni Bielefeld
http://www.agfreiebildung.org
http://www.buko.info/